von Stephan Scharnagel | Apr. 26, 2015 | Literatur/Belletristik
Josef Winkler liest Josef Winkler –
MUTTER UND DER BLEISTIFT
Die Mutter wird 1943 über den Tod des Bruders mit den Worten »Der Adam kommt auch heim, aber anders …« in Kenntnis gesetzt. Daraufhin kehrt Schweigen in den Bauernhof ein. Ihr Leben lang wird die Mutter eine Schweigende sein.
Das Requiem für Josef Winklers verstorbene Mutter, in dem sie ihren am Küchentisch kritzelnden linkshändigen Sohn immer wieder auffordert, den Bleistift in die „schöne Hand“ zu nehmen, ist einfach grandios!
Das Buch erschien 2013 im Suhrkamp Verlag und gilt als Requiem für seine Mutter (ich habe bereits Roppongi – Requiem für einen Vater von und mit Josef Winkler als Hörbuch veröffentlicht)
. Wie fast immer in seinen Werken setzt Winkler auch hier auf Intertextualität und zitiert aus Büchern, die ihm gerade zur Hand sind.
Ilse Aichingers „Kleist, Moos, Fasane“ geleitet uns und ihn durch den Teil 1 des Buches, den Winkler auf einer Indien-Reise verfasst hat.
Und im zweiten Teil ist es Peter Handke mit der Erzählung „Wunschloses Unglück“, der immer wieder zitiert wird.
Das Requiem für Josef Winklers im Jahre 2011 verstorbene Mutter Mutter und der Bleistift, in dem die Mutter ihren am Küchentisch kritzelnden linkshändigen Sohn immer wieder auffordert, den Bleistift in die rechte Hand zu nehmen, entsteht in Südfrankreich, Indien und Kiew.
»Reisen, um heimatlos zu werden«, heißt es bei Henri Michaux. Nach dem Tod von Vater und Mutter ist der Linkshänder, der mit der rechten Hand schreiben gelernt hat, seine Heimat losgeworden.
Die FAZ schrieb in der Rezension zum Buch sehr treffend:
„Mit der „Mutter und der Bleistift“ bestätigt sich definitiv der Eindruck, dass Winkler ähnlich wie Marcel Proust in Grunde an einem einzigen Werk schreibt. Wie Proust der Chronist und der poetische Ethnologe der untergehenden Welt der Belle Epoque war, so ist Josef Winkler schon längst derjenige des aussterbenden katholischen Landlebens. Mehr noch als bei Proust erscheint Literatur bei ihm als Gedächtnis des Leidens und zugleich als ein Medium der Befreiung zum bewußten Erleben.“
Platz 4 im Monat Juli 2017
der hr2-Hörbuchbestenliste
von Josef Winkler | Josef Winkler - Mutter und der Bleistift
Hörbeispiel
Josef Winkler liest Josef Winkler –
Mutter und der BleistiftUngekürzte Lesung der Originalausgabe des Suhrkamp Verlags
mit Musik von Herbert Pixner
3 CDs in Multibox, Spielzeit ca. 200 Minuten
ISBN 978-3-941009-17-2
EUR 18,00 (D)
Lieferbar. Jetzt bestellen! Kurze E-Mail genügt!
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von Stephan Scharnagel | Apr. 20, 2015 | Literatur/Belletristik
Jan Messutat liest Charles Simmons –
SALZWASSER
„Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank.“
So beginnt die Erzählung über einen Sommer, an dessen Ende nichts mehr so ist wie zuvor:
Wie jedes Jahr verbringt der fünfzehnjährige Michael die Ferien mit seinen Eltern am Atlantik. Doch diesmal gibt es eine Veränderung, denn in dem benachbarten Gästehaus zieht die verführerische Mrs. Mertz mit ihrer zwanzigjährigen Tochter Zina ein. Die Andersartigkeit und Offenheit,die die beiden Frauen umgeben, faszinieren nicht nur Michael. Augenblicklich verliebt er sich in die schöne Zina und ist ihren Capricen hoffnungslos ausgeliefert. Als er jedoch seine romantischen Gefühle ihr gegenüber auf die grausamste Art und Weise verraten sieht, bricht für ihn die unschuldige Welt seiner Kindheit zusammen, und es kommt zum tragischen Ende eines Sommers.
In der Neuerzählung von Turgenjews Novelle „Erste Liebe” schildert Simmons einfühlsam und fast ein wenig wehmütig den Verlust der kindlichen Unschuld, der die Verwirrungen der ersten Liebe begleitet. Den Hintergrund dazu bilden die Farben und Stimmungen eines Sommers am Meer. (mehr …)
von Stephan Scharnagel | Apr. 20, 2015 | Literatur/Belletristik
Constanze Weinig liest Xiaolu Guo
KLEINES WÖRTERBUCH FÜR LIEBENDE
„Während ich rede über ‚Privatsphäre‘, du hörst nur zu und sagst keine Wort. Ich weiss, Du hast andere Meinung. Du willst nicht leben in meine Leben, weil du bist ‚Privatperson‘. Eine Privatperson will nicht leben zusammen mit andere.“
Lost in Translation zwischen Peking und London:
Die junge Chinesin Zhuang reist zum ersten Mal in den Westen und taucht in eine fremde Welt ein. Sprache und Umgangsformen, Essen und Trinken, Liebe und Sex – alles ist befremdlich, überraschend und manchmal unbegreiflich. Ebenso amüsante wie erhellende Missverständnisse verbinden sich zu einem rasanten Verwirrspiel zwischen Ost und West und Mann und Frau. Ein außergewöhnliches Lesevergnügen! (mehr …)
von Stephan Scharnagel | Apr. 19, 2015 | Literatur/Belletristik
Josef Winkler liest Josef Winkler:
ROPPONGI – Requiem für einen Vater
„Auch Raudis zweitbeste Freundin, die Leichenbestatterin Stimniker mit den überlangen roten über die Kuppen hinausgewachsenen Fingernägeln, soll einmal bei Kuchen und Kaffee in der Feistritzer Dorfkonditorei, als der Holzkuckuck lauthals seinen Kopf als anrüchiges Dorfvögelchen aus der Kuckucksuhr reckte und alle Tortenesser ihre Köpfe zum Kuckucksuhrwinkel verdrehten, gedroht haben: „Wenn er noch einmal über uns etwas schreibt, dann zeig ich ihn an!“
Während einer Lesereise durch Japan wird Josef Winkler in „Roppongi“ vom Tod seines Vaters unterrichtet. Was er sich nie vorstellen konnte, bewahrheitet sich: „Ich sage dir eines, mein Sohn, wenn es soweit ist, ich möchte nicht, dass du zu meinem Begräbnis kommst.“ (mehr …)
von Stephan Scharnagel | Apr. 19, 2015 | Literatur/Belletristik
Jörg Pleva liest Jack Torrance
WAS DU HEUTE KANNST BESORGEN, …
Das HörbuchBuch
…das verschiebe nicht auf morgen.
Jörg Pleva, die deutsche Synchron stimme von Jack Nicholson, spricht das wohl bekannteste Buch von Jack Torrance, „Was Du heute kannst besorgen“.
Jack Torrance schrieb das Buch Ende 1979 in den Rocky Mountains, wo er, zusammen mit seiner Familie, den Winter im verwaisten „Overlook-Hotel“ als Hausmeister verbrachte. Dort verstarb er unter tragischen Umständen. (mehr …)
von Stephan Scharnagel | Apr. 19, 2015 | Literatur/Belletristik
Kai Wiesinger liest Reinhard Kaiser –
KÖNIGSKINDER
„Ich war nicht auf der Suche nach Geschichten, als ich die ersten Briefe von Rudolf Kaufmann an Ingeborg Magnusson fand, im Mai 1991, bei einer Briefmarkenauktion in Frankfurt. [Ich stiess] auf einen Stapel von ungefähr dreißig Umschlägen, alle vom gleichen Absender in Königsberg und einigen anderen deutschen Städten zwischen 1935 und 1939 aufgegeben, alle an die gleiche Empfängerin unter der stets gleichen Stockholmer Adresse gerichtet. In den Kuverts steckten noch die Briefe…“ Reinhard Kaiser entdeckt eine wahre Liebesgeschichte: der deutsche Jude Rudolf Kaufmann und die junge Schwedin Ingeborg Magnusson treffen sich das erste Mal 1935, verbringen einige wenige Tage miteinander und leben fortan ihre Liebe über Briefe – eine fünf Jahre andauernde Korrespondenz. Sie wissen nicht, daß sie sich niemals wiedersehen werden. (mehr …)