Susanne Gregor – Das letzte rote Jahr gelesen von Gergana Muskalla Regie: Marlene Breuer
Susanne Gregor – Das letzte rote Jahr
gelesen von Gergana Muskalla

Die Ich-Erzählerin Miša, 14 Jahre alt, zusammen mit ihrem älteren Bruder Alan und ihren Eltern, die gleichaltrige Rita in der Wohnung darüber, Slavka in der Wohnung darunter.
Sie vertrauen sich Geheimnisse an, sprechen über ihre ersten Liebschaften. Dabei könnten sie unterschiedlicher kaum sein: Rita ist überzeugte Pionierin, umso unerhörter erscheint es den Freundinnen, dass gerade Ritas Eltern hinter vorgehaltener Hand über eine Flucht nach Österreich sprechen. Rita ist empört, sie will nicht enden wie Slavka, deren Vater sich bereits vor zehn Jahren nach Schweden abgesetzt hat. Slavka interessiert sich wenig für Politik, dafür umso mehr für den neuen Geschichtslehrer, Genosse Baník, und für die Gymnastik, ihre große Leidenschaft. Miša ist die Sensibelste der drei, ihre erste und (vorerst) einzige Liebe gilt der Literatur, was so recht niemand nachvollziehen kann, am wenigsten ihr
Vater. Miša bewundert ihre Freundinnen, Rita für ihre Willenskraft, Slavka für ihre Disziplin, sie hat das Gefühl, das Leben würde immer so weitergehen – das Gegenteil ist der Fall: Denn wir schreiben das Jahr 1989, und nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.
Drei Freundinnen und ihre Familien erleben das Jahr vor dem Untergang des sozialistischen Regimes in der Slowakei: Opportunismus oder Rebellion, Anpassung oder Auflehnung – die Mädchen an der Schwelle zum Erwachsensein, aber auch die Eltern, begegnen dem sinkenden Stern des Sozialismus jeder auf seine Weise. Einfühlsam, in einer klaren, eleganten Sprache erkundet Susanne Gregor die Außen- und Innenwelten der drei jungen Freundinnen, lässt große Umwälzungen anhand von kleinen Verschiebungen greifbar werden und führt den Leser an sicherer Hand durch die Jahreszeiten des Jahres 1989:
Es ist »Das letzte rote Jahr«.
Hörbuchrezension – Sonntag, 22.3.2020 – SWR2 Lesenswert Magazin
Hörbeispiel – Das letzte rote Jahr
gelesen von Gergana Muskalla
Regie: Marlene Breuer
Kooperation hr2 Kultur / der Diwan Hörbuchverlag
ISBN: 978-3-941009-59-2
6 CDs ca. 420 Minuten 22,00€
Ab sofort erhältlich
»Beim Verlust dieser Reisetagebücher wäre ich nach Kalkutta zu rückgekehrt und hätte mich mit Hilfe meines nachtragenden, erbar mungslosen Schutzengels aus dem Fenster des Hotels „Bengali Club“ auf ein Glasdach, in den Tod hineingesplittert, es sei denn, ich hätte beim Abflug aus London der Stewardess der British Airways in den Oberarm gebissen.«
Seit drei Jahren ohne Arbeit, weil Arbeit keinen Spaß macht, und seit drei Tagen ohne Alkohol, weil der einen fertigmacht und aufschwemmt, obwohl ein Schlückchen natürlich nicht schlecht wär, nur: woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die liebe Ehefrau ist weg, die Wohnung leer bis auf einen kleinen Glücksgott aus Metall, der plötzlich ungeheuer nervt und weg muss, noch heute, stante pede, sofort.
»Sie wird dann Stellen ihres Körpers entdecken, deren Schönheit ihr bisher entgangen ist, und darüber verblüfft sein.«
Ragna muss diese Erinnerungen ihrer Kindheit verbannt haben, irgendwohin. Doch plötzlich tauchen sie aus dem Nichts wieder auf.
Als Lion Feuchtwanger im Exil in Kalifornien 1956 die Nachricht vom Tod Bertolt Brechts erreicht, ist der weltberühmte Literat erschüttert.