Ulrike Sterblich – Drifter
Max Ruhbaum liest
Ulrike Sterblich – Drifter
„Sie hatte diese jugendliche Alterslosigkeit, die Verrückte oft haben. Womit ich nicht sagen möchte, dass Vica verrückt war. Nicht im konventionellen Sinne verrückt jedenfalls.“
Wenzel und Killer sind Freunde seit Ewigkeiten und stehen mitten im Leben, Killer als PR-Chef einer großen Firma, Wenzel betreut die Social-Media-Kanäle eines TV-Senders. Doch alles ändert sich, als Vica in ihr Leben tritt: eine Frau in goldenem Kleid, meist begleitet von zwei treuen Adjutanten und einem riesigen Zottelhund. Mit jeder Begegnung ploppen neue Fragen auf: Woher weiß sie so viel über Wenzel und Killer? Wieso besitzt sie ein Exemplar des neuen Buchs von Drifter, einer ominösen Schriftstellerfigur, obwohl es überhaupt noch nicht auf dem Markt ist? Und wo hat ihr Hund das Tanzen gelernt? Als Vica schließlich auch noch den Wohnblock ihrer Kindheit in Beschlag nimmt, gerät die Welt der beiden Freunde ins Wanken. Virtuos, ja geradezu fantastisch erzählt Ulrike Sterblich von zwei Freunden, deren Wirklichkeit sich zunehmend verschiebt.
Zwei Freunde und eine Unbekannte im goldenen Kleid, die über die grandiose Fähigkeit verfügt, die Dinge so durcheinanderzubringen, dass Neues erkennbar wird.
Presse zum Buch:
„Es geht um Verzauberung der Welt im besten Sinne. Ein äußerst witziges, geistreiches, überraschendes Buch und eine schöne Geschichte.“, rbb Kulturradio
„Das reinste Vergnügen!“, Karen Duve
Shortlist Deutscher Buchpreis 2023
Drifter – Hörbeispiel
Ulrike Sterblich – Drifter
Ungekürzte Lesung der Buchvorlage aus dem Rowohlt Verlag
1 mp3-CD in Digifile/Kartonverpackung
ISBN 978-3-949840-28-9
empf. VK 23.00€
Deutscher Popliteraturpreis 2024
Für ihren Roman «Drifter» wurde Ulrike Sterblich mit dem Deutschen Popliteraturpreis für Magic, Pop und Ewigkeit ausgezeichnet.
Wir gratulieren sehr herzlich zu dieser Auszeichnung!
Die Initiatoren des Preises loben Ulrike Sterblichs Roman als «eine Story, die die Leserschaft in ihren Bann zieht. Gut lesbar und doch tiefgründig, stilistisch und sprachlich spannend – so muss ein gutes Buch sein».
Der Preis wurde am 8. Juni 2024 vom Literaturhaus Augsburg verliehen.
»Die salzige Luft war ruhig, als sie die Tür geöffnet hat, und trotzdem stehen ihr Schweißperlen im Gesicht, als sie die Füße in Adans alte Turnschuhe steckt und sich mit den Zehen an den Innensohlen festkrallt, während sie sich Sorgen über ihren Abstieg zu dem grausamtigen verschwommenen Streifen Strand viel zu weit da unten macht. «
»Sunil war mittlerweile in New York, viel besser beschäftigt als ich und beschloss, mir etwas Besonderes zu bieten. Er flog mich zu meinem siebenundzwanzigsten Geburtstag nach Manhattan ein, und nach einem vollgepackten Wochenende mit aufwändigen Abendessen, Nächten in Clubs, Männern aus dem Finanzwesen oder dem Filmgeschäft oder beidem, wachte ich auf und dachte: »Was soll ich noch in Seattle?«
Sie sind zu dritt, und in dieser abgeschiedenen Villa hinter hohen Bäumen sind sie die Königinnen: die Gouvernanten. Auf die Erziehung der ihnen anvertrauten Jungen geben sie wenig, lieber lassen sie sich melancholisch durch die hellen Tage treiben. Manchmal zieht es sie zum goldenen Tor, das ihr Reich begrenzt, wo sich, wild vor Verlangen, die Männer drängeln. Erhört werden sie alle nicht, denn hier stellen die Gouvernanten die Regeln auf. Verliert sich aber ein Fremder in den Garten, gehen sie wie im Rausch auf die Jagd, richten den Ahnungslosen unerbittlich zu, mit Küssen und mit Bissen. Und all das vor den Augen des Nachbarn, der die angebeteten Frauen mit seinem Fernrohr auf Schritt und Tritt verfolgt … Mit Eleganz und dunkler Sinnlichkeit – und durchaus mit subtiler Komik – erzählt Anne Serre in diesem fantastischen Märchen von der Macht der Blicke und von weiblichem Begehren.
»Jedes Neugeborene lebt vor der Erfindung der Zeit. Ich fühlte bereits nach den ersten paar Zellteilungen, dass etwas Großartiges entstanden war, und wanderte in Form einer winzigen Brombeere zur Gebärmutter, in der ich mich einzunisten gedachte. Ich muss gestehen, dass ich ihre neutrale Liebenswürdigkeit, mit der sie mir ein kuscheliges Plätzchen schuf, der späteren, doch sehr von Launen gesteuerten wirklichen Mutter vorzog.«
„Es beruhigte sie, an Boris zu denken. Alles an ihm erschien ihr trocken, nüchtern, er war schnell, effizient, aber nicht ohne Zärtlichkeit. Dass sie eine gute Stunde später hungrig erwachte, deutete sie als ein gutes Zeichen und machte sich bereit, die kommende Fahrt anzutreten.“