Klassiker der Literaturgeschichte Hamlet
Insa Wilke spricht mit Ulrike Draesner
und John von Düffel
William Shakespeare – Hamlet
1601 am Globe Theatre in London uraufgeführt, gehört Shakespeares Drama „Hamlet“ zu den bekanntesten und meistdiskutierten Tragödien der Weltliteratur. Bereits in der Entstehungszeit war das Stück populär und genießt bis heute eine beeindruckende Bühnenpräsenz; Aussprüche wie „Sein oder Nichtsein“ haben Eingang gefunden in unsere Alltagssprache.
Prinz Hamlet von Dänemark strebt danach, den Tod seines Vaters zu rächen. Um den Mörder zu finden, macht Hamlet eine Wahrheitsprobe in Form einer Inszenierung und führt ein Stück im Theaterstück auf. Schließlich stellt sich heraus: Hamlets Vater wurde von seinem eigenen Bruder Claudius ermordet, der danach Hamlets Mutter Gertrude ehelichte. Doch Hamlet begeht nicht sofort Rache. Teil des dichten so- zialen Geflechts am Hof ist auch Ophelia, Hamlets Geliebte. Deren Vater Polonius wird versehentlich von Hamlet erstochen, woraufhin das Geschehen eskaliert und alle Beteiligten ins Unglück stürzen. Nicht zuletzt macht sich Hamlet sogar am Tod von Ophelia mitschuldig. Am Ende stehen wir vor einem Drama mit zahlreichen Toten.
Die Schriftstellerin Ulrike Draesner und der Dramaturg und Autor John von Düffel kommen ins Gespräch über eines der wirkmächtigsten Theaterstücke der Weltliteratur.
Die Veranstaltungsreihe Klassiker der Literaturgeschichte wird gefördert durch das Ministerium für Jugend, Kultus und Sport BW.
Ein Gespräch über William Shakespeare: Hamlet - Hörbeispiel
Live-Mitschnitt
Prolog und Epilog: Timo Brunke
Spielzeit 78 Minuten, 1 CD Digifile/Kartonverpackung
ISBN 978-3-949840-15-9
15,00€

„Ein Teil von mir ist an diesem Frühlingssamstag im unverschämten Sonnenschein erstarrt, als ich die Mail von diesem Mann erhielt, der mir mit bewunderswerter Präzision, Logik und Rückgratlosigkeit darlegte, warum er mich verlassen würde. Es war an einem 29. April. Ich bin nicht sicher, ob ich dafür Verständnis aufbringen kann.“
Als der Roman „Madame Bovary“ 1857 erschien, wurde seinem Verfasser Gustave Flaubert der Prozess gemacht. Grund dafür war der „Verstoß gegen die guten Sitten“ – der Autor verherrliche den Ehebruch. Inzwischen gehört das Buch zu den Klassikern der Weltliteratur und bildet einen Meilenstein der literarischen Moderne. Emma Bovary, gelangweilt in ihrer Ehe mit Charles, einem Landarzt, sehnt sich nach der großen Liebe und nach Leidenschaft, scheitert daran und treibt schlussendlich sich und ihren Mann in den Ruin. Bemerkenswert ist hier die neutrale Erzählweise, in der das Geschehen lediglich beschrieben, jedoch nicht bewertet wird. Was ist so aufregend an Flauberts Schreibweise und der Beschreibung von Sehnsucht und Verzweiflung, dass wir ihn heute noch lesen? „Madame Bovary“ war sein erster publizierter Text, obwohl er zuvor schon unablässig schrieb – seine hohen Ansprüche an sich selbst sorgten allerdings dafür, dass die vorausgegangenen Manuskripte unveröffentlicht blieben. 1821 in Rouen geboren, zählt Flaubert heute zusammen mit Stendhal und Balzac zu den drei großen realistischen Erzählern Frankreichs.
Virginia Woolf, geboren 1882 in London, schrieb zeitlebens gegen die gesellschaftliche Unterdrückung von Frauen an; ihr Essay „A Room of One’s Own“ ist ein feministischer Meilenstein. Um 1970 herum wurde sie wiederentdeckt und inspiriert bis heute eine breite Öffentlichkeit. Form und Sprache ihrer Romane und Kurzgeschichten sind dabei bemerkenswert: Insbesondere mit dem Roman „Mrs. Dalloway“, 1925 erschienen, erschließt sie sich eine experimentelle Darstellungsform. Um die Leser:innen an der inneren Welt der Figuren teilhaben zu lassen, beschreibt Woolf ausführlich sich fortspinnende Gedankenvorgänge und Fragen, die sich an alltäglichen Situationen entzünden. Die Handlung bleibt dabei sparsam: Clarissa Dalloway, eine Londoner Dame aus der Oberschicht, bereitet eine Abendgesellschaft vor und der Kriegsveteran, Septimus Warren Smith, hat mit seinen psychischen Problemen zu kämpfen. Über die Gedankenwelt ihrer Figuren zeichnet sie ein Panorama der britischen Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg.
Wie macht man hörbar, was im Innern vor sich geht? Ein Bild entsteht, das eines Schilfrohrs, das ausgehöhlt und mit Löchern versehen zur Flöte wird. Das Schilfrohr als Kanal, durch den die Töne gehen, die unsere Abgeschiedenheiten verbinden. Die Flöte als Instrument, durch das der Atem muss, um sich als Ton zu materialisieren. Ein Hörstück, ein Hin und Her zwischen Wort und Klang, ein Überschreiten und Untermalen von Sprache, ein Abtasten des Moments, an dem die Atmung einsetzt, aber auch aussetzen kann.
„Der Blick ging an mir vorbei ins Leere. Trotzdem glaubte ich kurz, Erstaunen darin zu sehen. Vielleicht mein eigenes Erstaunen darüber, hier zu sein.“