Anna Albinus – Revolver Christi
Omid-Paul Eftekhari liest
Anna Albinus – Revolver Christi
„Kommen Sie“, sagte er und führte mich in die Kirche. Er benötige noch etwas aus der Sakristei fur die Vorbereitung der Messe, behauptete er, aber er nahm nur mit mir in einer Bank Platz, von der aus man den Revolver in der gedämpft beleuchteten Vitrine gut betrachten konnte. „Glauben Sie“, fragte ich, „dass die Leute aus Sensationsgier zur Wallfahrt kommen?“ Mit solchen Motiven müsse man rechnen, sagte er.
Im Sommer 2018 zieht die alle zehn Jahre stattfindende Wallfahrt zum Revolver Christi so viele Besucher an wie nie zuvor. Ausgestellt ist neben der Reliquie in der Kathedrale auch eine der drei erhaltenen Ikonen des Christus an der Waffe. 110 Jahre nach dem Tod eines Elektrikerlehrlings, den man mit einem Kopfschuss aus dem Revolver Christi getötet auf den Stufen des Chorraums auffand, fällt in der Kathedrale erneut ein Schuss …
Anna Albinus nimmt in ihrem klassischen, eleganten Erzählton unmerklich Anlauf, als wäre nichts, und unversehens findet man sich in einer anderen Welt. Und wie selbstverständlich streift sie dabei allerlei ernsten Stoff: das Spektakel als Angebot der Kirchen; die Inszenierung des Musealen; das Existentielle im Glauben mancher, die glauben wollen; und last not least die Zerreißprobe zwischen Gewalt und Glauben. Oder vielleicht ist das alles nicht so gemeint …?
Auszeichnungen des Buches:
- Gewählt auf die Liste 10 besten Bücher des Jahres HOTLIST 2021 unabhängige Verlage
- Österreichischer Buchpreis 2021 – Debüt
- hr2-Hörbuchbestenliste Januar 2022
Die Jury zum österreichischen Buchpreis 2021:
„Mit der realistischen Beschreibung eines touristischen Groß-Ereignisses beginnt diese Kriminal- und Fantasygeschichte der besonderen Art. Eine Reliquie – jener Revolver, der dem Buch den Titel gibt – zieht die Menschenmassen an. Und dann fällt am dreiundzwanzigsten Ausstellungstag ein Schuss. Die Schützin ist rasch überwältigt, ein seriöser Ermittler tritt auf den Plan, das Publikumsinteresse wächst angesichts der mysteriösen Gewalttat. Dem Genre entsprechend entwickelt sich die Geschichte geheimnisvoll. Deutlich wird allerdings bald, dass zwischen diesem Revolver Christi, der verhafteten Rechtsanwaltsfachangestellten und dem sachlichen Kriminalbeamten ein Zusammenhang besteht. Das Unglück, das mit der Waffe einher geht, wiederholt sich im Lauf der Zeit offenbar immer wieder. Man liest gebannt und ist gespannt auf den Ausgang, der jedoch die Erwartung nach Plot-Auflösung nicht erfüllt. Zeit- und Ortssprünge gelingen der 1986 geborenen Autorin mühelos. Sie ist eine erstaunlich versierte Erzählerin. Alles ist möglich in dieser Geschichte, deren Ende sich jeder Eindeutigkeit verweigert. Das Geheimnis bleibt und das Staunen über die literarische Fertigkeit, die sprachliche Sicherheit dieses Debüts.“
Presse zum Buch:
„Alles ist möglich in dieser Geschichte (…). Das Geheimnis bleibt – und auch das Staunen über die
literarische Fertigkeit, die sprachliche Sicherheit dieses Debüts.“ – Manuela Reichart, Deutschlandfunk Kultur
Revolver Christi – Hörbeispiel
Omid-Paul Eftekhari liest
Anna Albinus – Revolver Christi
Ungekürzte Lesung der gleichnamigen Buchausgabe des edition fotoTAPETA Verlags
Spielzeit ca. 100 Minuten
2 CDs Digifile/Kartonverpackung
ISBN: 978-3-941009-87-5
VK: 16,00€ (D)
Anna Albinus
1986 in Mainz geboren, studierte Katholische Theologie, Judaistik und Kunstgeschichte in Freiburg i. Br.
und Jerusalem. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien. Revolver Christi ist ihre erste Buchveröffentlichung.
Otfried Preußlers Geschichten haben Generationen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen begeistert. Genannt seien nur die bekanntesten Figuren: Die kleine Hexe, Der Räuber Hotzenplotz und Das kleine Gespenst. Sein erstes Buch, Der kleine Wassermann, erschien 1956 und erhielt ein Jahr später den Deutschen Jugendbuchpreis. Zunächst war Preußler nur nebenberuflich Schriftsteller. Er arbeitete als Lehrer, wobei er seinen Schüler*innen gern Geschichten erzählte, die er später aufschrieb.
Die Geschichte einer Suche: Ein Mann sucht einen Freund, der auf geheimnisvolle Weise in Indien verschollen ist.
Als im Frühling 2020 die Welt zum Stillstand kam und auch die Erde durchzuatmen schien, las Marica Bodrožić zwei Monate lang auf ihrem Balkon jeden Abend Rilkes Gedicht „Der Panther“. Wilder als alles Vergängliche, schreibt sie, der eigenen Eingesperrtheit zum Trotz, sei der Wunsch des Menschen in Freiheit zu leben. Was aber können wir tun, wenn wir gar nichts mehr tun können? Dieser hybride Text tastet die seelischen Landschaften ab, die nur ein radikaler Rückzug möglich macht. Offenbar werden dabei nicht nur die eigenen schmerzverzahnten Lebensthemen, sondern auch die daraus funkensprühende Sprache der Transzendenz. Marica Bodrožić ist schreibend den kathartischen Weg der Mystiker und Philosophen gegangen und hat, auf den geistigen Spuren u. a. von Teresa von Avila und Vladimir Jankélévich, den Eingang in ihre „innere Burg“ gefunden.
«Meine Fingerspitzen sind eiskalt, aber mir ist zu behaglich, um mich zu bewegen. Um mir die Mühe zu machen, aufzustehen und die Decken zu ordnen. Ich möchte nur die Ruhe von Haut auf Haut genießen.»
»Heute war ein schöner, herbstlicher Morgen. Ich ging durch die Tuilerien. Alles, was gegen Osten lag, vor der Sonne, blendete. Das Angeschienene war vom Nebel verhangen wie von einem lichtgrauen Vorhang. Grau im Grauen sonnten sich die Statuen in den noch nicht enthüllten Gärten. Einzelne Blumen in den langen Beeten standen auf und sagten: Rot, mit einer erschrockenen Stimme.«