Klassiker der Literaturgeschichte Virginia Woolf
Insa Wilke spricht mit Ulrike Draesner
und John von Düffel
Virginia Woolf – Mrs. Dalloway
Virginia Woolf, geboren 1882 in London, schrieb zeitlebens gegen die gesellschaftliche Unterdrückung von Frauen an; ihr Essay „A Room of One’s Own“ ist ein feministischer Meilenstein. Um 1970 herum wurde sie wiederentdeckt und inspiriert bis heute eine breite Öffentlichkeit. Form und Sprache ihrer Romane und Kurzgeschichten sind dabei bemerkenswert: Insbesondere mit dem Roman „Mrs. Dalloway“, 1925 erschienen, erschließt sie sich eine experimentelle Darstellungsform. Um die Leser:innen an der inneren Welt der Figuren teilhaben zu lassen, beschreibt Woolf ausführlich sich fortspinnende Gedankenvorgänge und Fragen, die sich an alltäglichen Situationen entzünden. Die Handlung bleibt dabei sparsam: Clarissa Dalloway, eine Londoner Dame aus der Oberschicht, bereitet eine Abendgesellschaft vor und der Kriegsveteran, Septimus Warren Smith, hat mit seinen psychischen Problemen zu kämpfen. Über die Gedankenwelt ihrer Figuren zeichnet sie ein Panorama der britischen Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg.
Die Schriftstellerin Ulrike Draesner und der Dramaturg und Autor John von Düffel kommen ins Gespräch über eine der bedeutendsten Autorinnen der klassischen Moderne.
In Kooperation mit derDiwan Hörbuchverlag, gefördert durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.
Ein Gespräch über Virginia Woolf: Mrs. Dalloway - Hörbeispiel
Live-Mitschnitt
Prolog und Epilog: Timo Brunke
Spielzeit 79 Minuten, 1 CD Digifile/Kartonverpackung
ISBN 978-3-949840-04-3
15,00€

Wie macht man hörbar, was im Innern vor sich geht? Ein Bild entsteht, das eines Schilfrohrs, das ausgehöhlt und mit Löchern versehen zur Flöte wird. Das Schilfrohr als Kanal, durch den die Töne gehen, die unsere Abgeschiedenheiten verbinden. Die Flöte als Instrument, durch das der Atem muss, um sich als Ton zu materialisieren. Ein Hörstück, ein Hin und Her zwischen Wort und Klang, ein Überschreiten und Untermalen von Sprache, ein Abtasten des Moments, an dem die Atmung einsetzt, aber auch aussetzen kann.
„Der Blick ging an mir vorbei ins Leere. Trotzdem glaubte ich kurz, Erstaunen darin zu sehen. Vielleicht mein eigenes Erstaunen darüber, hier zu sein.“
»Ich hatte es ja schon in meiner Kindheit geahnt, dass die Tatsache, eine Frau zu sein, mit ununterbrochenen Demütigungen einhergehen würde. Aber dass es so weit gehen würde…«
In diesem Jahr jährt sich der 700. Todestag von Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie, bedeutendes Werk der Weltliteratur, begründete die »Volkssprache« Italienisch als Literatur- und Schriftsprache. Über den Autor, der 1265 in Florenz geboren wurde und im Alter von 62 in Ravenna verstarb, wissen wir indes wenig. Die Göttliche Komödie entstand ab 1307 in der Zeit seines Exils und entwirft eine visionäre Reise des Dichters durch Hölle, Fegefeuer und Paradies, in deren Verlauf den Lesenden, Seite an Seite mit dem Ich-Erzähler und seinem Begleiter Vergil, 600 Seelen und ihre Schicksale nach dem Tod begegnen. Man nimmt an, dass die Figur der Beatrice, die den Ich-Erzähler durch die himmlischen Sphären geleitet, auf einer realen Frau basiert, die Dante verehrte.
„Kommen Sie“, sagte er und führte mich in die Kirche. Er benötige noch etwas aus der Sakristei fur die Vorbereitung der Messe, behauptete er, aber er nahm nur mit mir in einer Bank Platz, von der aus man den Revolver in der gedämpft beleuchteten Vitrine gut betrachten konnte. „Glauben Sie“, fragte ich, „dass die Leute aus Sensationsgier zur Wallfahrt kommen?“ Mit solchen Motiven müsse man rechnen, sagte er.